Eine Autistin als Marketerin: Warum das nicht seltsam, sondern gut für Wahrheit und ethische Kundengewinnung ist.
„Das ist schon heftig, dass du als Autistin ethisches Marketing machst.“
So einen Satz höre ich in verschiedenen Variationen immer wieder:
„Wie kommt es, dass du als Autistin Marketing machst?“
„Das ist aber ungewöhnlich, dass du als Autistin auch Marketing machst.“
„Wie bist denn du als Autistin zu Marketing gekommen?“
Es irritiert mich immer wieder. Und das bringt mich dazu, jetzt einmal einen Artikel dazu zuschreiben.
Denn nein – daran ist nichts heftig. Aber er zeigt, wie wenige Menschen verstehen, was Autismus bedeutet. Und noch mehr: Welche Stärken damit einhergehen können.
Ja, ich bin Autistin. Und ich mache nicht ethisches Marketing trotz meines Autismus, sondern zum Teil genau deswegen.
Inhaltsverzeichnis
Wahrheit als innerer Kompass – schon lange vor dem Marketing
Warum und wie sich Autismus und ethisches Marketing ergänzen
Mustererkennung und Detailwahrnehmung
Kreativ-analytisches Denken
Empathie, die tiefer geht als Checklisten
Ethik als innerer Kompass, nicht als Positionierung
Doch auch ich habe nicht immer ethisches Marketing gemacht
Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind nicht dasselbe
Warum das alles für dich relevant sein kann
Strategie trifft auf Intuition, Wahrheit auf Empathie und Marketing auf Ethik.
Wahrheit als innerer Kompass – schon lange vor dem Marketing
Es gibt etwas, das mich im Marketing immer wieder innehalten lässt: Wenn eine Botschaft nicht stimmt. Also wenn Worte, Energie und Verkörperung nicht übereinstimmen.
Dieses innere Alarmsystem kenne ich schon sehr gut aus meiner Kindheit. Es ist dasselbe, das mich als Kind verwirrt und verrückt gemacht hat, wenn Menschen nicht sagten, was sie meinten.
Wenn zum Beispiel Erwachsene „Alles gut“ sagten und ich doch wusste, dass gar nicht alles gut war. Ich habe es gespürt, an der Energie, in meinem Körper und der Wahrheit, die alles umgab und doch keinen Raum, keine Erlaubnis und keinen Ausdruck bekam. Ich war immer auf der Suche danach, konnte die Wahrheit spüren und doch bliebt sie unausgesprochen, unsichtbar und weggesperrt.
Ich habe als Autistin aber eine sehr geringe Toleranz für Unstimmigkeiten und Bullshit. Leider werden in der Business- und Marketingwelt „anders“ oder tiefer wahrnehmende Menschen immer wieder in Schablonen und Businesskonzepte gesteckt, in die sie nicht hineinpassen. Das fühlt sich für diese Menschen falsch und anstrengend an.
Und ich nehme in Gesprächen meistens schnell die Lücke wahr zwischen dem, was Menschen sagen und dem, was sie meinen, leben oder sich wirklich wünschen. Diese feine Wahrnehmung hat mein Leben in vielerlei Hinsicht kompliziert gemacht. Aber sie hat mir auch etwas geschenkt, das ich heute für etwas echt Wertvolles halte und in meine Arbeit einbringe: Ein fast schon physischer Drang zur Wahrheit, Wahrhaftigkeit und zum ethischen Marketing.
Warum und wie sich Autismus und ethisches Marketing ergänzen
Autismus bringt eine ganz eigene Wahrnehmung, Perspektive und Denkweise mit sich, die ich als großen Vorteil im Marketing sehe. Denn was wir überall sehen sind 08/15 Content-Beiträge und Strategien, die in der Masse untergehen oder einfach nicht die individuelle Energie eines Business und Menschen tragen können.
Es gibt Eigenschaften, die bei vielen Autist*innen besonders ausgeprägt sind und die im Marketing Gold wert sind.
Mustererkennung und Detailwahrnehmung
ch erkenne, was andere gerne übersehen, wie Zusammenhänge, Widersprüche und wiederkehrende Muster. Z.B.: Du sprichst von Verkörperung und Freiheit, doch deine Inhalte basieren auf rationalen Rechtfertigungen. Oder: Du sagst, dass du weißt, dass dein Angebot wichtig, doch ich spüre die Zweifel und Unsicherheiten in deinen Inhalten und an deinem Wert.
Ich sehe Feinheiten und Details auch mit dem, was zwischen den Worten mitschwingt. Wenn Botschaften nicht mit Werten und der Identität / Marke, dem Angebot und der Zielgruppe abgestimmt ist. Z.B.: Du verkaufst über deine Botschaften Struktur und Klarheit, doch deine Website ist ein Labyrinth aus Angeboten und Überforderung. Oder: Du stehst für Empowerment, doch in deiner deine Botschaft schwingt Scham und Schuld aus klassischem Marketing mit.
Kreativ-analytisches Denken
Meine Denkweise befreit mich von herkömmlichen Wegen, um Lösungen außerhalb alter Pfade zu finden. Aus Social-Media sehen wir gerne die ultimativen Erfolgsstrategien, doch wirksames, nachhaltiges Marketing lebt von Innovationen, von Kreativität, Neugierde und Experimentierfreude. Gerade jetzt in Zeiten von KI wird das immer relevanter und echte menschliche Nuancen immer wertvoller, um bestehen zu können und sich vom Markt anzuheben.
Ethik im Marketing mit Werten, Wahrheit, Ehrlichkeit
Autisten (wie feinfühlige Menschen) haben oftmals ein stärkeres Bedürfnis nach Gerechtigkeit, Integrität und Ehrlichkeit. Für mich ist daher Manipulation keine Strategie, sondern nur ein Mangel an Vertrauen in Werte, Integrität und Wahrhaftigkeit.
Ethisches Marketing ist nicht einfach meine Positionierung und Markenkennzeichen, sondern ein wahrhaftiger, innerer Kompass, den ich ganz natürlich in mir trage und mitbringe. Ich spüre, wenn etwas ungerecht oder manipulativ ist und das spreche ich an, auch wenn es unbequem wird. Mein Leben wäre leichter, wenn ich nicht so wäre, aber so ist es und ich nutze es im positiven Sinne fürs Business, dich, Menschen und eine gerechtere, menschlichere Welt.
Empathie, die tiefer geht als Checklisten
Autismus wird leider immer noch verbunden mit „nicht empathisch“. Autisten haben aber nur Schwierigkeiten mit kognitiver Empathie und dem Erkennen & Verstehen sozialer Signale. Das bedeutet, dass ich weniger gut gedanklich nachvollziehen kann, was andere fühlen oder wahrnehmen.
Daher beobachte, erfasse und betrachte ich Situationen bewusster und aus verschiedenen Perspektiven, um sie besser verstehen zu können. Auch das ist vorteilhaft im Marketing, wo es nicht einfach spontane, soziale und oberflächliche Interaktionen geht.
Und was Autisten oftmals sehr gut können ist die emotionale Empathie: Zu fühlen, was andere fühlen.
Meine Sichtweise ist auch, dass wir zwar rational recherchieren, herleiten und vermuten können, was andere fühlen, aber jeder Mensch bringt eine andere Erfahrungswelt und Wahrnehmung mit und eigentlich weiß doch niemand wirklich, wie sich jemand fühlt. Es ist immer nur eine Vorstellung, aber verkennt oft die Realität, die Tiefe und Wahrheit dahinter und genau das sehen wir im klassischen Marketing, das auf Schmerzpunkte und emotionalen Druck geht.
Das bedeutet für mein Marketing: Ich erschaffe keinen Content aus einer kognitiven Vorstellung darüber, was Kund*innen fühlen könnten. Ich öffne einen Raum für die tatsächliche Essenz ihrer Erfahrung, um mit Menschen zu sprechen und nicht über sie oder auf sie einzureden.
Viele Autisten sind zutiefst empathisch. Und dafür brauche ich auch keine kognitiven Checklisten, um zu recherchieren, herzuleiten oder zu „erraten“, was deine Kund*innen fühlen könnten. Wir sprechen mit ihnen und spüren die Essenz dessen auf, was echt ist und den Raum für individuelle Erfahrungswelten der einzelnen Menschen innerhalb deiner Zielgruppe lässt.
Emotionale Empathie ist ein tiefes Mitfühlen und öffnet einen Raum für die tatsächliche Wahrnehmung und die Essenz Gefühle eines anderen Menschen, ohne es durch unsere Gedanken zu verzerren. Wenn Marketing emotional empathisch ist, dann entsteht tiefe Verbindung und Resonanz. Und wenn wir ethisch damit umgehen, dann entsteht nachhaltiges Vertrauen und ehrliche, gute Kundenbeziehungen.
Ich sehe meine wenig vorhandene kognitive Empathie daher durchaus als wertvoll an, da ich
Situationen aus verschiedenen Perspektiven und ganzheitlicher betrachte, was mir einen Marketingansatz ermöglicht, der inklusiver ist.
an Marketingbotschaften und Inhalte so herangehe, dass sie auf tieferer Ebene wirken können und sich Menschen zutiefst gesehen, angenommen, verstanden, zugehörig und geschätzt werden.
⇒ Während also andere noch versuchen, dich und deine Zielgruppe in eine Schublade zu stecken, sehe ich Muster und die empathischen, natürlichen Verbindungen, die dein Business ausmachen.
Marketing ist die Kunst, dass sich Menschen in deinen Inhalten erkennen, erinnern und gesehen fühlen.
Und was ist dafür besser als eine tiefe Verbindung herzustellen, in dem wir sie in ihrer Realität anerkennen und MIT ihnen sprechen, statt aus einer kognitiven Vorstellung heraus über sie zu reden?
Und neurodivergente Menschen, feinfühlige Freigeister und diejenigen, die ihrem kreativen Herzen folgen sind diejenigen, die menschliche Nuancen spüren und auf diese Weise auch Marketing wieder echt, lebendig und einzigartig wiedererkennbar machen.
Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind nicht dasselbe
Hier liegt ein Unterschied, der mich immer wieder beschäftigt. Und der auch, denke ich, den Kern von ethischem Marketing berührt.
Denn Wahrheit ist faktisch. Du kannst Wahrheit als Schutzschild benutzen und sagen: „Ich habe nicht gelogen.“ und trotzdem bewusst irreführend kommunizieren. Du kannst zum Beispiel nur die Wahrheit sagen, die dir nützt und die Hälfte weggelassen. Du kannst Formulierung so wählen, dass sie wahr sind, aber subtil manipulieren und jemand ein falsches Bild bekommt.
Wahrhaftigkeit ist etwas anderes. Sie fragt nicht nur: Ist das, was ich sage, faktisch wahr? Sie fragt auch: Spiegelt mein Inhalt das, was echt ist und was ich verkörpere? Entsteht dadurch ein realistisches, faires Bild, damit mein Publikum alle Informationen, die sie für eine selbstbestimmte, bewusste Entscheidung benötigen?
Vielleicht noch einmal anders ausgedrückt:
Wahrheit entsteht oftmals als Fakt aus dem Verstand. Wahrhaftigkeit lebt im Körper, in Herz und Seele und ist ein Resonanzkörper. Wahrhaftigkeit ist die Übereinstimmung von innen und außen. Es entsteht aus der Tiefe und ist nicht nur rational nachvollziehbar, sondern im Körper spürbar.
Viele Menschen leben noch sehr im Verstand, insbesondere auch im Business- und Marketingbereich und dadurch kommen Diskrepanzen zustande. Und ich denke, dass es genau dieser Bereich ist, der sich für viele unstimmig anfühlen kann.
Denn Wahrhaftigkeit ist immer stimmig. Wahrheit alleine nicht unbedingt. Da kann subtil / unbewusst etwas mitschwingen, was nicht ganz richtig ist.
Auch ich habe nicht immer ethisches Marketing gemacht
Ich habe Phasen gehabt, in denen ich Methoden angewendet habe, die ich heute nicht mehr anwenden würde. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil ich das im Studium gelernt habe und es im Unternehmen gefordert und normal war (und noch ist).
Doch mein Körper hat es wahrgenommen. Jede kleine Diskrepanz hat sich körperlich schlecht angefühlt. Die Manipulationen, die ich nach außen getragen habe, habe ich innerlich gespürt. Als ein unschönes Gefühl, das ich lange gar nicht greifen konnte. Mit Druck, Schwere und dem Wissen, dass etwas nicht ganz richtig ist.
In meiner Selbstständigkeit wollte ich es anders machen. Zusätzlich hat mir der Sinn in klassischem Marketing gefehlt. Denn ich wusste: Geld ist nicht alles. Ich wollte nicht nur verkaufen, sondern dabei auch die Welt verbessern.
Denn ethisches Marketing möchte ich nicht nur in der Welt sehen, weil ich glaube, dass wir dadurch vieles heilen und zu einer besseren Zukunft beitragen können. Es hat auch Ruhe und Frieden in mein eigenes inneres und äußeres System gebracht.
Und ich bin überzeugt, dass es für dich das Gleiche tun kann.
Wenn du auf irgendeine Weise negative Gefühle in Bezug auf Marketing hast – wenn du genervt bist, dich verloren fühlst oder dich bei deiner eigenen Kommunikation unwohl fühlst, dann findest du die Lösung vermutlich im ethischen Marketing. Dort, wo Strategie, Klarheit und Seele zusammenfinden.
Warum das alles für dich relevant sein kann
Feinfühlige, neurodivergente und wertorientierte Unternehmerinnen haben ein besonders feines Gespür für Unstimmigkeit im Innen und Außen. Wir nehmen wahr, wenn etwas nicht stimmt ist – in einer Marketingbotschaft, der Strategie, in einem Verkaufsgespräch, in der Energie hinter einem Angebot.
Und wir „leiden“ oft doppelt:
Einmal unter dem manipulativen Marketing anderer, das sich für uns falsch anfühlt.
Und einmal unter dem Druck, genau dieses Marketing oder eine bestimmte „erfolgversprechende“ Strategie selbst anzuwenden, weil alle sagen, das sei der Weg.
Aber ich kann dir sagen: Es gibt viele Wege und auch einen für dich.
Mein Autismus hat mir das nicht beigebracht. Er hat mir nur unmöglich gemacht, es zu vergessen.
Strategie trifft auf Intuition, Wahrheit auf Empathie und Marketing auf Ethik.
Meine Marketingarbeit vereint Intuition und Kreativität mit analytischer Stärke und ethischen Grundsätzen. Sie ist nicht ungewöhnlich, sondern zutiefst respektvoll und menschlich. Sie ist genau das, was viele feinfühlige Unternehmerinnen sowie Visionäre und Heilerinnen wollen und im Marketing suchen.
Vielleicht hast du dich bisher oft gefragt, warum du dich im Marketing so unwohl fühlst. Warum sich „bewährte Strategien“ wie Fremdkörper anfühlen. Meine Erfahrung mit meinem autistischen Erleben hat mich gelehrt: Dieses Unwohlsein ist dein System mit deiner Seele, die nach Wahrhaftigkeit ruft.
Wenn du spürst, dass deine Botschaft und deine Energie noch nicht eins sind oder wenn du jemanden suchst, die mit dir gemeinsam das alles stimmig ausrichtet, damit dein Marketing endlich wieder fließen kann: Ich bin da.
Lass uns dein Marketing nicht lauter machen, sondern wahrhaftiger. Denn am Ende gewinnt nicht, wer am meisten manipuliert, sondern wer am echtesten strahlt und tiefe Resonanz und Vertrauen aufbaut.
Andrea Liedtke:
Autistin und ethische Marketerin
Ich helfe feinfühligen Visionärinnen und neurodivergenten Unternehmerinnen dabei, sichtbar zu werden und wahre Wunschkund*innen zu erreichen. Mehr zu mir >>
Ich bin für Marketing, das nicht nur gut fürs Business, sondern auch für die Seele.