Autismus im Marketing: Wie mein Wesen und Mindset für Wahrheit & Ethik sorgt
Im letzten Blogartikel habe ich bereits geteilt, wie ich ständig von Menschen angesprochen werde, dass es seltsam sei als Autistin Marketing zu machen und wie ich das als wertvoll erachte.
In diesem Artikel möchte ich näher darauf eingehen, wie mein Autismus mein Marketingmindset prägt und was das mit Wahrheit, Wahrhaftigkeit und ethischem Marketing zu tun hat.
Wahrheit als Wert und die Suche danach
Es gibt etwas, das mich im Marketing immer wieder innehalten lässt: Wenn eine Botschaft nicht stimmt. Also wenn Worte, Energie und Verkörperung nicht übereinstimmen.
Dieses innere Alarmsystem kenne ich schon sehr gut aus meiner Kindheit. Es ist dasselbe, das mich als Kind verwirrt und verrückt gemacht hat, wenn Menschen nicht sagten, was sie meinten.
Wenn zum Beispiel Erwachsene „Alles gut“ sagten und ich doch wusste, dass gar nicht alles gut war. Ich habe es gespürt, an der Energie, in meinem Körper und der Wahrheit, die alles umgab und doch keinen Raum, keine Erlaubnis und keinen Ausdruck bekam. Ich war immer auf der Suche danach, konnte die Wahrheit spüren und doch bliebt sie unausgesprochen, unsichtbar und weggesperrt.
Ich habe als Asperger-Autistin aber eine sehr geringe Toleranz für Unstimmigkeiten und Bullshit. Leider werden in der Business- und Marketingwelt „anders“ oder tiefer wahrnehmende Menschen immer wieder in Schablonen und Businesskonzepte gesteckt, in die sie nicht hineinpassen. Das fühlt sich für diese Menschen falsch und anstrengend an.
Und ich nehme in Gesprächen meistens schnell die Lücke wahr zwischen dem, was Menschen sagen und dem, was sie meinen, leben oder sich wirklich wünschen. Diese feine Wahrnehmung hat mein Leben in vielerlei Hinsicht kompliziert gemacht. Aber sie hat mir auch etwas geschenkt, das ich heute für etwas echt Wertvolles halte und in meine Arbeit einbringe: Ein fast schon physischer Drang zur Wahrheit, Wahrhaftigkeit und zum ethischen Marketing.
Doch auch ich habe nicht immer ethisches Marketing gemacht
Ich habe Phasen gehabt, in denen ich Methoden angewendet habe, die ich heute nicht mehr anwenden würde. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil ich das im Studium gelernt habe und es im Unternehmen gefordert und normal war (und noch ist).
Doch mein Körper hat es wahrgenommen. Jede kleine Diskrepanz hat sich körperlich schlecht angefühlt. Die Manipulationen, die ich nach außen getragen habe, habe ich innerlich gespürt. Als ein unschönes Gefühl, das ich lange gar nicht greifen konnte. Mit Druck, Schwere und dem Wissen, dass etwas nicht ganz richtig ist.
In meiner Selbstständigkeit wollte ich es anders machen. Zusätzlich hat mir der Sinn in klassischem Marketing gefehlt. Denn ich wusste: Geld ist nicht alles. Ich wollte nicht nur verkaufen, sondern dabei auch die Welt verbessern.
Denn ethisches Marketing möchte ich nicht nur in der Welt sehen, weil ich glaube, dass wir dadurch vieles heilen und zu einer besseren Zukunft beitragen können. Es hat auch Ruhe und Frieden in mein eigenes inneres und äußeres System gebracht.
Und ich bin überzeugt, dass es für dich das Gleiche tun kann.
Wenn du auf irgendeine Weise negative Gefühle in Bezug auf Marketing hast – wenn du genervt bist, dich verloren fühlst oder dich bei deiner eigenen Kommunikation unwohl fühlst, dann findest du die Lösung vermutlich im ethischen Marketing. Dort, wo Strategie, Klarheit und Seele zusammenfinden.
Wie sich mein Autismus auf mein Marketingmindset auswirkt
Konsistenz ist nicht optional
Ich kann nicht nach außen eine Botschaft vertreten, die ich innen nicht lebe und durchlaufen / integriert habe. Das fühlt sich nicht nur falsch an, es kostet mich auch enorm viel Energie, so zu tun, als ob. Marketing wird so viel leichter, wenn es ein natürlicher, wahrhaftiger Ausdruck von uns oder unserer Botschaft und Arbeit wird.
Regelmäßigkeit darf im eigenen Rhythmus erfolgen
Kontinuierliche Sichtbarkeit ist wichtig, das wissen wir alle. Aber nicht alle haben die gleiche kontinuierliche Energie, die von unseren Strukturen und Systemen oftmals erwartet wird. Regelmäßigkeit im Marketing ist wichtig, darf aber ganz dir und deinem natürlichen Rhythmus entsprechen. Es bedeutet langfristig dranbleiben zu können und nicht ständig durchzustarten und dann wieder Pausen zu brauchen.
Wenn du täglich auf Social-Media posten möchtest und das passt, dann tu das. Aber wenn du das nicht langfristig aufrechterhalten kannst und von deinem Marketing ständig Erholungspausen brauchst, dann ist es Zeit, dass du dir eine stimmige Bühne mit deinem eigenen System und Rhythmus suchst.
Für jeden sieht „Alles geben“ etwas anders aus und das ist alles okay.
Klarheit und Wahrheit sind Fürsorge
Viele Menschen verwechseln diplomatisches Herumdrucksen und „nett sein“ mit Freundlichkeit und Fürsorge. Und Zurückhaltung mit Bescheidenheit.
Für mich ist das Gegenteil wahr:
Wenn ich klar sage, was ich denke und was für mich wahr ist – auch wenn es unbequem ist – zeige ich damit Respekt. Ich nehme dich ernst genug, um nicht „nett“ herumzureden.
Wenn ich teile und erzähle, was wahr und echt ist, gebe ich Menschen die Möglichkeit sich darin zu erkennen und mit mir zu wachsen. Es ist Geschenk, wenn wir unsere Wahrheit und Fähigkeit weitergeben.
Zu viele Menschen wollen nett sein, aber was sie dabei machen ist:
Sie halten sich zurück und teilen nicht mit, was wahr und echt ist. Sie verstecken sich damit, ihre Geschenke und bevormunden in gewisser Weise damit ihr Gegenüber.
Sie nehmen ihm / ihr die freie, selbstbestimmte Entscheidung (und auch Wachstumsmöglichkeit) ab. Sie trauen ihrem Gegenüber nicht zu, mit der Wahrheit, den Emotionen und Gedanken dazu umzugehen. Entweder, weil sie es vielleicht selbst nicht können oder in falschen Vorstellungen von kognitiver Empathie festhängen. Sie übernehmen eine Verantwortung, die ihnen nicht gehört.
Eine klare, wertschätzende, ehrliche und offene Kommunikation ist ein Gespräch auf Augenhöhe, ein Service und Fürsorge, auch wenn es manchmal ungemütlich sein kann.
Soziale Gerechtigkeit hört im Business nicht auf
Viele Autistin haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich auch. Wenn es etwas gibt, dass meinen Körper aktiviert, mich sprechen und alle sozialen Ängste vergessen lässt, dann ist es soziale Ungerechtigkeit. Und das hört nicht auf, nur weil es auf einmal um Business und Marketing geht. Daher ist ethisches Marketing für mich eine natürliche und logische Konsequenz.
Dazu gehört also auch, dass ich Menschen nicht ausnutze, diskriminiere oder aufgrund eines Merkmals (wie finanzielle Möglichkeiten / Geschlecht / Neurotyp / ….) anders behandle und abwerte. Ich nutze keine Stereotypen, um aufzufallen, Reichweite und (vielleicht) höhere Umsätze zu erzielen. Einige verstecken sich hinter der Marketing”freiheit” von Polarisierung, Kreativität und Humor. Für mich gibt es hier klare Grenzen.
Marketing ohne Manipulation ist eine nachhaltige Stärke
Kund*innen, die aus Selbstbestimmung und echter Überzeugung kommen, bleiben länger, empfehlen weiter und bringen eine ganz andere Qualität in die Zusammenarbeit, als Menschen die sich fragen, wie sie „hier“ nur landen konnten. Manipulation holt Klicks und schnelle, kurzfristige Umsätze. Wahrhaftigkeit baut Beziehungen, die auch unsichere Zeiten überstehen können.
Ethisches Marketing ist die Entscheidung für wahrhaftige und nachhaltigere Wirkung bei wahren Wunschkund*innen.
Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind nicht dasselbe
Hier liegt ein Unterschied, der mich immer wieder beschäftigt. Und der auch, denke ich, den Kern von ethischem Marketing berührt.
Denn Wahrheit ist faktisch. Du kannst Wahrheit als Schutzschild benutzen und sagen: „Ich habe nicht gelogen.“ und trotzdem bewusst irreführend kommunizieren. Du kannst zum Beispiel nur die Wahrheit sagen, die dir nützt und die Hälfte weggelassen. Du kannst Formulierung so wählen, dass sie wahr sind, aber subtil manipulieren und jemand ein falsches Bild bekommt.
Wahrhaftigkeit ist etwas anderes. Sie fragt nicht nur: Ist das, was ich sage, faktisch wahr? Sie fragt auch: Spiegelt mein Inhalt das, was echt ist und was ich verkörpere? Entsteht dadurch ein realistisches, faires Bild, damit mein Publikum alle Informationen, die sie für eine selbstbestimmte, bewusste Entscheidung benötigen?
Vielleicht noch einmal anders ausgedrückt:
Wahrheit entsteht oftmals als Fakt aus dem Verstand. Wahrhaftigkeit lebt im Körper, in Herz und Seele und ist ein Resonanzkörper. Wahrhaftigkeit ist die Übereinstimmung von innen und außen. Es entsteht aus der Tiefe und ist nicht nur rational nachvollziehbar, sondern im Körper spürbar.
Viele Menschen leben noch sehr im Verstand, insbesondere auch im Business- und Marketingbereich und dadurch kommen Diskrepanzen zustande. Und ich denke, dass es genau dieser Bereich ist, der sich für viele unstimmig anfühlen kann.
Denn Wahrhaftigkeit ist immer stimmig. Wahrheit alleine nicht unbedingt. Da kann subtil / unbewusst etwas mitschwingen, was nicht ganz richtig ist.
Warum das für dich relevant sein kann
Ich glaube, dass feinfühlige, neurodivergente und wertorientierte Unternehmerinnen ein besonders feines Radar für Unstimmigkeit im Innen und Außen haben. Wir spüren einfach, wenn etwas nicht stimmt ist – in einer Marketingbotschaft, der Strategie, in einem Verkaufsgespräch, in der Energie hinter einem Angebot.
Und wir „leiden“ oft doppelt:
Einmal unter dem manipulativen Marketing anderer, das sich für uns falsch anfühlt.
Und einmal unter dem Druck, genau dieses Marketing oder eine bestimmte „erfolgversprechende“ Strategie selbst anzuwenden, weil alle sagen, das sei der Weg.
Aber ich kann dir sagen: Es gibt viele Wege und auch einen für dich.
Mein Autismus hat mir das nicht beigebracht. Er hat mir nur unmöglich gemacht, es zu vergessen.
Vielleicht hast du dich bisher oft gefragt, warum du dich im Marketing so unwohl fühlst. Warum sich „bewährte Strategien“ wie Fremdkörper anfühlen. Meine Erfahrung mit meinem autistischen Erleben hat mich gelehrt: Dieses Unwohlsein ist dein System mit deiner Seele, die nach Wahrhaftigkeit ruft.
Wenn du spürst, dass deine Botschaft und deine Energie noch nicht eins sind oder wenn du jemanden suchst, die mit dir gemeinsam das alles stimmig ausrichtet, damit dein Marketing endlich wieder fließen kann: Ich bin da.
Lass uns dein Marketing nicht lauter machen, sondern wahrhaftiger. Denn am Ende gewinnt nicht, wer am meisten manipuliert, sondern wer am echtesten strahlt und tiefe Resonanz und Vertrauen aufbaut.
Andrea Liedtke
Hi, ich bin Andrea, neurodivergente und ethische Marketerin für Soulpreneure, die sich im klassischen Marketing nicht wiederfinden. Mehr zu mir >>
Ich bin für Marketing, das nicht nur gut fürs Business, sondern auch für die Seele. Und ich wünsche mir für dich, dass du deine wahren Wunschkund*innen natürlich erreichen, anziehen und sanft zum Kauf führen kannst.